Fédération Européenne des Cités Napoléonienne

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Guten Tag, Herr Napoléon!

Der Ur-Ur-Ur-Enkel von Jérôme Bonaparte besuchte jetzt das Museum Fridericianum.

Von Martina Sommerlade


KASSEL. An die ungläubigen Blicke hat er sich mittlerweile gewöhnt. Und auch daran, dass die Menschen, die Prince Charles Napoléon begegnen, nach dem ersten Staunen über seine Herkunft stets den Wunsch hegen, seinen berühmten Vorfahren Napoléon Bonaparte in ihm wiederzuerkennen. "Aber dagegen wehre ich mich", sagt der silberhaarige Hüne, der äußerlich so gar nichts mit dem kleinen Korsen gemeinsam hat.


"Ich bin ein Mensch mit einer ganz eigenen Persönlichkeit und kein Gefangener meines Namens." Im tadellos sitzenden grauen Anzug steht der Ur-Ur-Ur-Enkel von Jerome im Foyer des Museums Fridericianum und lässt das Blitzlichtgewitter umstehender Fotografen geduldig über sich ergehen. Die Hand lässig in der Hosentasche, posiert er locker plaudernd und stets freundlich lächelnd vor den Gemälden seiner Ahnen.


Zuvor hatte der 1,96 Meter große Franzose höflich und in fließendem Deutsch Bürgermeister Thomas-Erik Junge wie auch alle weiteren Gäste der Feierstunde anlässlich des offiziellen Beitritts der Stadt Kassel in den Europäischen Verbund der Napoleonstädte begrüßt. Als Präsident des Europäischen Bundes der Napoleonstädte ist es dem Nachkommen der sechsten Generation des französischen Kaisers ein wichtiges Anliegen, die Stadt Kassel selbst zu besuchen. Mit ihrem Beitritt gehört Kassel neben Jena und Hövelhof nun zu den ersten drei Mitglieds-Städten Deutschlands. "Ich bin beeindruckt von der großartigen Ausstellung über meine Vorfahren und der eindrucksvollen Art, wie hier Geschichte begreifbar gemacht wird."


Mit seinem berühmten Ahnen setzt sich der Prinz als Autor diverser Geschichtsbücher auseinander. Vor seiner schriftstellerischen Tätigkeit hat er eine beachtliche Karriere absolviert: Er studierte in den USA und machte an der Pariser Sorbonne den Doktor der Wirtschaftswissenschaften, ein Diplom der Wirtschaftsmathematik, Magister der Finanzen sowie ein Diplom der Sozialwissenschaften. Darüber hinaus war er Bürgermeister der Ajaccios, der Geburtsstadt Napoléon Bonapartes. Mittlerweile arbeitet der vierfache Familienvater als Unternehmensberater. "Mein tägliches Leben ist nicht von meinen berühmten Vorfahren beeinflusst", betont Charles Napoléon. "Der Name, den ich durch den Zufall der Geburt erhielt, hat mich gezwungen, ich selbst zu sein. Wenn ich das nicht umsetzen würde, wäre ich Napoléon der Siebte." Und das will Charles Napoléon auf keinen Fall sein. HINTERGRUND

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