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Armee im Untergang. Württemberg und der Feldzug Napoleons gegen Russland 1812

Der Feldzug Napoleons gegen Russland im Jahr 1812 stellt eine der größten militärischen Katastrophen der Neuzeit dar. Die vernichtende Niederlage der Grande Armée, die zu Kriegsbeginn etwa 600.000 Soldaten gezählt hatte, bedeutete den Anfang vom Ende des Ersten Französischen Kaiserreichs.

Im kollektiven Bewusstsein Europas ist der französisch-russische Krieg bis zum heutigen Tag fest verankert. Dies liegt vor allem an seinem dramatischen Verlauf. Ereignisse wie die Feldschlacht bei Borodino, die Zehntausende das Leben kostete, der Brand Moskaus oder der französische Rückzug aus Russland bei Eis und Schnee symbolisieren eindringlich die Grausamkeit des Krieges. Sie verleihen dem Feldzug von 1812 eine Bedeutung, die über das historische Geschehen hinausweist.

Dem französischen Heer des Jahres 1812 gehörte auch ein knapp 16.000 Mann starkes Kontingent aus dem Königreich Württemberg an. Die Regimenter aus Schwaben hatten sehr hohe Verluste zu verzeichnen. Nur etwa tausend Soldaten überlebten die Gefahren und die ungeheuren Strapazen des Krieges und kehrten in ihre Heimat zurück. Teilweise verbrachten sie vor ihrer Rückkehr längere Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft.

Wie kam es zum französisch-russischen Krieg und weshalb nahm dieser eine so verhängnisvolle Wendung für die Grande Armée? Wie erlebten die Soldaten aus Schwaben den Krieg? Welche Hoffnungen und Ängste hatten sie und wie stellte sich der Alltag im napoleonischen Heer während der verschiedenen Phasen des Krieges dar? Schließlich: Wie wurde der Verlauf des Feldzugs in Württemberg wahrgenommen und wie beurteilte man den Krieg in der Rückschau?

Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart versucht 200 Jahre nach dem französisch-russischen Konflikt erstmals, diesen Fragen in einer Ausstellung auf die Spur zu kommen. Das Kriegsgeschehen wird dabei unter Rückgriff auf Fragestellungen und Methoden der modernen Militärgeschichtsschreibung eingefangen. Die Präsentation bettet den Krieg in den politischen und kulturellen Kontext des frühen 19. Jahrhunderts ein. Sie gibt der Betrachtung individueller Soldatenschicksale und Kriegserfahrungen breiten Raum. In den Blick kommt zudem die "Medialisierung" des Kriegserlebens durch die Feldzugsveteranen, das heißt die Vergegenwärtigung des Feldzugs in Erinnerungswerken, literarischen Erzeugnissen und Kunstwerken. Die Aquarelle und Zeichnungen des aus Stuttgart stammenden Artillerieoffiziers Christian Wilhelm von Faber du Faur zählen zu den bedeutendsten bildlichen Repräsentationen des Kriegs von 1812.

In der Ausstellung werden zahlreiche wertvolle Originaldokumente, zeitgenössische Gegenstände sowie Bildwerke des 19. Jahrhunderts zum gescheiterten Feldzug Napoleons gezeigt. Die Exponate lassen das Kriegsgeschehen nach 200 Jahren wieder sichtbar werden. Sie werfen darüber hinaus Schlaglichter auf die württembergische Politik und Gesellschaft in der napoleonischen Zeit und geben interessante Einblicke in die Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur in Schwaben.

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