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Kärnten und der Franzosenkaiser: Karambolage 1809

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Kleine Zeitung - Klagenfurt

04.04.2009
Auf den Spuren von Kaiser Napoleon Bonaparte

"Karambolage 1809" - Die Ausstellung des Kärntner Landesmuseums ist Anlass für uns, dem Mythos Napoleon in Klagenfurt auf den Grund zu gehen. Sichtbare, aber "stille", Zeitzeugen und Gerüchte gibt es viele.
Ausstellung im Kärnter Landesmuseum
Ausstellung im Kärnter Landesmuseum Foto: Weichselbraun
Was war Napoleon Bonaparte eigentlich für ein Mensch? Wie hat er die Kärntner-Geschichte geprägt? Und vor allem - falls die Gerüchte stimmen - hat der Franzosenkaiser wirklich in Klagenfurt residiert? Die laufende Jahresausstellung "Karambolage 1809" des Landesmuseums Kärnten beschäftigt sich bis 26. November rund um die Kärnten-Zeit des französischen Kaisers Napoléon. "Der Titel deshalb, da es in der Zeit unter Napoleon militärische, innenpolitische, wirtschaftliche aber auch familiäre Zusammenstöße gab", so Martin Stermitz, Kurator der Ausstellung.

Klagenfurt einst und jetzt. Die französischen Invasionen in Kärnten (1797- 1813) haben aber nicht nur die Geschichte geprägt, sondern noch heute sichtbare Spuren in Klagenfurt hinterlassen. Wie zum Beispiel Überreste der ehemaligen Stadtmauer und des Stadtgrabens um 1809. Ein kleiner Stadtspaziergang offenbart schon bald, wo sich diese verbergen. So trifft man auf die ersten "stillen" Zeitzeugen bereits in der kleinen Seitengasse von der Villacher Straße/Dorotheum aus zum dahinter gelegenen Café Sever. Beim Weitergehen wird sogar ein Teil des damaligen Stadtgrabens sichtbar: Dort, wo sich der Park hinter dem Rothauerhochhaus am Villacher Ring befindet. Aber auch am Kardinalplatz beim Lokal "Die Poterne" sind heute noch Reste der Stadtmauer zu erkennen.

Die Sprengung 1809 Doch wie kam es zur Sprengung? "Vor 200 Jahren besetzten die Franzosen bei ihrem Feldzug Klagenfurt und bauten die bereits vorhandenen Befestigungen um die Stadt aus. Von der Mauer aus beschossen sie die österreichischen Soldaten oder schickten Kavallerien aus dem Villacher und Viktringer Tor", erklärt Stermitz.

Kartoffeln, Wein und Rindfleisch. Als aber im Oktober 1809 der "Friede von Schönbrunn" in Kraft trat, sprengten die Franzosen bei ihrem Abzug ganz brutal - und ohne Vorankündigung - die Klagenfurter Stadtmauern. Die Menschen, die damals in und bei den Mauern wohnten, starben - und das zur Weihnachtszeit. Zu diesem Leid kam noch die Hungersnot und der Staatsbankrott fand bald seinen Höhepunkt. "Für die Menschen am Land war Geldnot kein so großes Thema, als für jene in der Stadt. Die Bauern konnten sich selbst versorgen", so Stermitz. Detail am Rande: Der Gesamtschaden, den die Franzosen in Klagenfurt angerichtet haben, belief sich damals auf 4.218.000 Gulden. In Lebensmitteln gerechnet waren das 16.000 Tonnen Rindfleisch oder zirka 260.000 Tonnen Kartoffeln oder 195.122 Hektoliter Wein.

Residenz im Palais?. "Gerüchten zufolge, soll Napoleon drei Tage im Palais Egger Helldorf in der Herrengasse 12 residiert haben", sagt Stermitz. "Aber nicht weil er Klagenfurt so schön fand, sondern weil er seiner Armee vom Süden folgte, um Wien einzunehmen", erzählt Stermitz weiter. Und was war Bonaparte nun wirklich für ein Mensch? Kurator Stermitz äußert sich dazu nur mit den Worten: "Er ließ in den 19 Jahren seiner Kriegsführung über eine Million Tote auf dem Schlachtfeld zurück." So viel zu Napoleon, dem Menschen.
KERSTIN OBERLECHNER

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/klagenfurt/1890630/index.do