Fédération Européenne des Cités Napoléonienne

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„Tassen erzählen Geschichte(n) Von Revolutionären und Reaktionären. 1776-1830“

Nichts, nicht einmal eine Tasse brauche der Mensch, bemerkte einst Sokrates. Denn selbst die könne er mit seinen beiden Händen nachformen und eben daraus trinken. So geziemt es einem spartanisch lebenden Philosophen. Doch - mit Verlaub: Irrte der große Denker hier nicht doch?

Denn Tassen sind viel mehr als ein vielleicht leicht ersetzbares Trinkgerät. Sie sind Ausdruck des Lebensgefühls und -stils, sie sind Zeugnisse des Geschmacks einer Epoche und damit Zeitzeugen. Doch hätte man auch gedacht, dass Tassen politische Epochen illustrieren würden und also eine politische Dimension haben könnten? - Die Ausstellung „Tassen erzählen Geschichte(n). Von Revolutionären und Reaktionären. 1776 - 1830" will das beweisen. Sie zeigt ausschließlich Porträt-Tassen, wie sie im 18. und 19. Jahrhundert in Mode kamen und damit in einer Zeit, in der sich die Welt im Umbruch befand. Die hier gezeigten Porträts stammen vornehmlich von Persönlichkeiten des öffentlichen und damit oftmals des politischen Lebens: Kaiser und Königinnen, Generäle und Zaren, Herzoginnen und Feldmarschalle, Militärs und Regentinnen blicken einen ernst und gemessen an, üppig in Vergoldungen gebettet und von feinsten Ornamentmalereien umrahmt, mit goldstaffierten Blatt-, Ohren-, oder Volutenhenkeln versehen, auf zierlichen Löwenfüsschen balancierend oder auf reich verzierten Untertassen ruhend.

Die Ausstellung gliedert sich chronologisch in sechs Themen, setzt ein mit der amerikanischen bzw. französischen Revolution und damit bei Persönlichkeiten wie etwa Thomas Jefferson oder dem Marquis Marie-Joseph de La Fayette. Die Kapitel Aufstieg und Fall Napoleons zeigen ihn selbst, seine Verbündeten wie seine Feinde und natürlich viele einflussreiche und schöne Frauen: die Kaiserin Joséphine, Madame Tallien, Madame Récamier usf. Aus der Zeit des Rheinbundes, der die Macht Napoleons festigen sollte, sieht man mit König Maximilian I Joseph von Bayern oder Preußenkönig Friedrich Wilhelm III bspw. mächtige Männer damaliger Politik. Danach wendet sich die Schau dem Niedergang Napoleons und schließlich der Zeit der Reaktionäre zu.

Doch bei allem Feldherrengeschick, aller Kriegslist und diplomatischer Finesse, machen die Tassen auch bewusst, welche Denker, Literaten und Musiker im Hintergrund dieser für Europa so wichtigen Zeiten Einfluss nahmen und prägend waren: Kant und Schiller etwa, Goethe, Herder und Klopstock, aber auch Größen wie Beethoven oder Strauß.

Die Porträttassen mit ihren vielfältigen Dekorationsstilen verraten viel über die Physis der einzelnen Personen und den zeittypischen Geschmack wie Frisurenmode und Kleidung, Schmuck und Interieur. Sie sind prunkvoll gefertigt und meisterhaft ausgeführt, denn sie dienen der Huldigung oder dem ehrenden Gedenken der zumeist prominenten Personen, waren hochwertige Souvenirs oder repräsentative Geschenke.

Wie nahe die Porzellane am Leben ihrer Zeit waren, belegen in der aufwändig aufbereiteten Ausstellung zudem Filmausschnitte und Hörbeispiele, multimediale Aufarbeitungen oder auch ein Modeheft. - Wer wusste schon, dass die erwähnte Madame Tallien gerne in Erdbeersaft badete? Oder der Herzog von Wellington die „Welliboots" erfand? - Die Ausstellungstexte betten manch launige Geschichte in ihren historischen Zusammenhang und machen so das damalige Geschehen lebendig und nachvollziehbar. Die Schau eignet sich deshalb auch ausgezeichnet, um geschichtliche Lehrinhalte für die entsprechenden Schuljahrgänge zu beleben.

01.03.-13.04.09: „Alle Tassen aus Ihren Schränken!" - Auch Sie haben sicherlich eine Lieblingstasse im Schrank (mit einem Bild)! Bringen/schicken Sie uns diese (zwischen dem 06.01-22.02.09) samt deren Geschichte ins Museum. Vom 1.03.- 13.04. werden die Tassen und ihre Geschichten ausgestellt.

Info & Formulare finden Sie hier oder unter der Telefonnummer (0 92 87.9 18 00-615)

Quelle:
Porzellanikon
Werner-Schürer-Platz 1

95100 Selb

Fon 0 92 87.9 18 00-0
Fax 0 92 87.9 18 00-30